Im NABU-Bahnhof Trais-Horloff trafen sich kürzlich Mitglieder der NABU-Landesarbeitsgruppe „Tauchen für den Naturschutz“, der NABU-Landesarbeitsgruppe Mollusken sowie Taucher*innen des HTSV zu einem gemeinsamen Fach- und Praxistag. Ziel war es, die Bestimmung heimischer Süßwassermollusken zu vertiefen und den naturschutzfachlichen Nutzen von Unterwassererfassungen am Beispiel des Reichelsheimer Bergwerksees zu demonstrieren.

Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Joachim Wink von der NABU-Landesarbeitsgruppe Mollusken. In einem Kompaktseminar stellte er zentrale Merkmale heimischer Süßwassermuscheln und -schnecken vor und verglich verschiedene Arten anhand von Belegmaterial. Zudem wurden ältere Funde aus dem Archiv der Taucharbeitsgruppe gesichtet und neu bewertet. Solche Sammlungen sind für die naturschutzfachliche Arbeit von besonderem Interesse, weil sie frühere Nachweise dokumentieren und mit aktuellen Beobachtungen in Beziehung gesetzt werden können.
Im anschließenden Praxisteil am Reichelsheimer Bergwerksee wurde das Gelernte direkt im Gelände umgesetzt. Die Erfassung kombinierte eine Uferbegehung mit tauchgestützten Untersuchungen unter Wasser. Dabei zeigte sich erneut, dass Naturschutztauchen einen entscheidenden methodischen Vorteil bietet: Molluskenvorkommen in tieferen Zonen, in Unterwasservegetation oder an sonst schwer zugänglichen Strukturen können nur durch direkte Unterwasserbeobachtung zuverlässig erfasst werden.
Die gemeinsame Untersuchung bestätigte, dass durch tauchgestützte Erfassungen zusätzliche Funde möglich sind, die bei einer ausschließlichen Begehung vom Ufer aus unentdeckt bleiben würden. Gerade bei Arten, die räumlich kleinflächig verteilt sind oder in bestimmten Unterwasserhabitaten vorkommen, ist dieser Zugang von erheblichem Wert.
Zugleich wurde deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen ist. Artenkenntnis, Sammlungserfahrung und ökologische Einordnung auf der einen Seite sowie Unterwasserzugang und Erfassungspraxis auf der anderen ergänzen sich in idealer Weise. Daraus entsteht ein belastbarer naturschutzfachlicher Mehrwert für die Dokumentation und Bewertung aquatischer Lebensräume.
Das Treffen in Trais-Horloff war damit nicht nur eine Fortbildungsveranstaltung, sondern auch ein gelungenes Beispiel für angewandte Citizen Science im Gewässerschutz. Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fachgruppen soll fortgesetzt und ausgebaut werden.
