Am 9. Mai 2026 fand am Niederweimarer See bei Marburg das Seminar „Leben im See“ statt – eine gemeinsame Veranstaltung von NABU-Akademie Hessen und Hessischem Tauchsportverband (HTSV), ausgerichtet auf dem Gelände des Tauchclubs Marburg am Seepark Niederweimar. 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten einen sonnigen Maitag für einen Tag Umweltbildung in und am Wasser.

Wissen als Grundlage des Schutzes

Tauchen für den Naturschutz beginnt mit dem genauen Hinschauen. Was lebt im See? Welche Arten zeigen uns, dass ein Gewässer intakt ist – und welche signalisieren Handlungsbedarf? Diesen Fragen widmete sich das Seminar von der Theorie bis zum Tauchgang. Denn nur wer kennt, was unter der Wasseroberfläche lebt, kann fundiert für dessen Schutz eintreten.

Die Unterwasserbegegnungen des Tages lieferten dafür eindrückliches Material: Die Teilnehmenden fanden sich in ausgedehnten Unterwasserwiesen verschiedener Armleuchteralgen (Charales) wieder – empfindliche Zeigerarten für Gewässer mit hoher Wasserqualität und geringer Nährstoffbelastung. Als herausragender Einzelfund konnte Nitella flexilis (Biegsame Glanzleuchteralge) nachgewiesen werden, eine in Deutschland seltene und besonders geschützte Art. Ihr Vorkommen ist ein starkes Signal: Dieser See ist es wert, genau beobachtet und geschützt zu werden.

Ergänzt wurde das Bild durch Kaulquappen in auffallend hoher Dichte sowie Europäische Aale (Anguilla anguilla) – eine europaweit stark gefährdete Art, deren Nachweis im Niederweimarer See naturschutzfachlich bedeutsam ist.

 

Ein Befund mit Warnsignal

Nicht alle Funde waren erfreulich: Ein trächtiger Kamberkrebs (Faxonius limosus) dokumentiert eine sich aktiv fortpflanzende Population des nordamerikanischen Invasors im Gewässer. Solche Beobachtungen sind genau der Grund, warum systematisches Citizen-Science-Tauchen unverzichtbar ist – sie liefern Daten, die konventionelles Monitoring oft nicht erfasst.

Programm und Referentinnen

Eröffnet wurde der Tag durch Elina Kämmerer, Sprecherin der NABU-Landesarbeitsgruppe „Tauchen für den Naturschutz“. Rainer Stoodt führte in Nährstoffkreisläufe und Seeökologie ein, Lorenz Seebauer referierte über Fische und Krebse, Thomas Lauer über Uferzone und Vogelwelt. Der Nachmittag war der gemeinsamen Bestimmungsarbeit gewidmet: Makrophyten, Muscheln und Schnecken wurden vor Ort bestimmt, diskutiert und in den ökologischen Zusammenhang eingeordnet.

NABU und HTSV – gemeinsam für lebendige Gewässer

Das Seminar steht exemplarisch für die Zusammenarbeit von NABU und HTSV: Tauchsport und Naturschutz ergänzen sich hier nicht nur, sie brauchen einander. Der organisierte Tauchsport bringt Zugang, Kompetenz und Leidenschaft für die Unterwasserwelt mit – der NABU die wissenschaftliche Einbettung, das Monitoring-Netzwerk und den naturschutzpolitischen Rahmen. Gemeinsam entstehen Veranstaltungen, die Umweltbildung erlebbar machen und gleichzeitig echte Daten für den Gewässerschutz liefern.