Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen 28 Grad haben wir einen Baggersee im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Hammer Aue von Gernsheim und Groß-Rohrheim“ (Natura 2000, 6216-303) in vier Transekten betaucht – eine Gruppe dabei mit Unterwasserscootern. Der See zählt zum FFH-Lebensraumtyp 3150 (natürliche eutrophe Seen mit Magnopotamion- oder Hydrocharition-Vegetation), war aber in der Vergangenheit ein ausgesprochen oligotrophes Gewässer.

Makrophytenbefund
Der Artenreichtum war bemerkenswert: Insgesamt konnten acht verschiedene Armleuchteralgen (Characeen) nachgewiesen werden, darunter zwei Arten, die auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht eingestuft sind. Ergänzt wurde das Bild durch Nixkraut (Najas sp.) und Vaucheria – beides Zeigerarten oligotropher bis mesotropher Verhältnisse.

Gleichzeitig zeigen sich deutliche Anzeichen fortschreitender Eutrophierung: Laichkräuter (Potamogeton spp.) dominieren bereits den Flachwasserbereich und den Gewässerrand. Die untere Makrophytengrenze – ein sensibler Indikator für Wassertrübung und Nährstoffbelastung – ist gegenüber früheren Bestandsaufnahmen erneut zurückgegangen. Wie lange die seltenen Characeen-Vorkommen unter diesen Bedingungen stabil bleiben, ist offen.

Sedimentstörung durch Karpfen
Im gesamten Gewässer waren großflächige Wühlspuren im Sediment erkennbar. Der See beherbergt offenbar einen erheblichen Bestand großer Karpfen (Cyprinus carpio), die als Benthivore den Gewässergrund aufwühlen, Feinpartikel aufwirbeln und so maßgeblich zur Trübung und Nährstofffreisetzung aus dem Sediment beitragen. Mais und Boilies am Gewässerboden – [Foto folgt] – zeigen, dass Karpfenangeln mit Anfütterung hier regelmäßig stattfindet.
Der Erhaltungszustand des LRT 3150 ist im aktuellen Bewirtschaftungsplan mit C (mittel bis schlecht) bewertet. Die Karpfenproblematik dürfte ein wesentlicher, bislang im Plan nicht adressierter Faktor sein.